Die Abtreibungspraxis in Deutschland: Sechs Impulse zum Weiterdenken

Ich liebe sie: amerikanische Präsidenten! Was wäre die Satire-Industrie ohne sie?

„I think I am, actually humble. I think I’m much more humble than you would understand.“ Donald Trump (sehr bescheiden!)
 
„I know that human beings and fish can coexist peacefully.” George W. Bush (Einfach nur gut!)
 
„Never, never give up! If there is a concrete wall infront of you: Get through it. Get over it. Get around it. Get to the other side of the wall.“ Noch mal Donald Trump (über das Überwinden von Mauern…)

Aber immer wieder fördern amerikanische Präsidenten auch durchaus bemerkenswerte Aussagen zutage. So zum Beispiel Ronald Reagan, als er sagte:

„I’ve noticed that everyone who is for abortion has already been born.“ Da denke ich mir: „Nice! Gut gesagt, Ronald!” All die Menschen, die für ein Selbstbestimmungsrecht abtreibender Frauen plädieren, hatten das persönliche Glück, dass ihr eigenes Recht auf Leben von ihren Müttern nicht missachtet wurde.

Ist die Würde des Menschen nicht unantastbar?
In der Schule habe ich damals gelernt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (GG, Art. 1). Jeder Mensch, ob „Unfall“… ob behindert… ob er in die Karriereplanung der Eltern passt, oder nicht… hat ein Recht auf Leben.

Das Bundesverfassungsgericht urteilte entsprechend:

„Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben, auch das ungeborene, zu schützen. Diese Schutzpflicht hat ihren Grund in Art. 1 Abs. 1 GG; […] Menschenwürde kommt schon dem ungeborenen menschlichen Leben zu. […] Dieses Lebensrecht wird nicht erst durch die Annahme seitens der Mutter begründet.“

„Das sollte die Frage nach der ethisch-moralischen Vertretbarkeit unserer aktuellen Abtreibungspraxis klären“, mag man meinen. Doch weit gefehlt! Schaut man in die sozialen Netzwerke, fragt man die Jusos, oder liest man Artikel der großen deutschen Printmedien, ist die Botschaft klar und deutlich: „Leute, wir leben im 21. Jahrhundert. Wir wollen doch nicht tatsächlich darüber diskutieren, ob Abtreibungen legitim sind? Es ist doch klar: Eine werdende Mutter hat das Recht auf eine Abtreibung. Da hat ihr keiner reinzureden.“

Platons defekter Kompass
Wie kommt es, dass es in unserer Kultur völlig akzeptabel ist, dass jährlich unzähligen Menschen durch einen Schwangerschaftsabbruch das Recht auf Leben genommen wird? Wie kann es sein, dass jene Leute, die sich für die Rechte dieser ungeborenen Menschen einsetzen, als intolerante Fanatiker abgetan werden?

Wenn man Platon fragt, dürfte es diesen gesellschaftlichen Missstand eigentlich gar nicht geben. Der antike griechische Philosoph ging davon aus, dass die Menschen in der Lage sind, gerechtes Handeln von ungerechtem Handeln zu unterscheiden.

Ein schöner Gedanke. Jeder Mensch ist ausgestattet mit einem inneren moralischen Kompass, der unmissverständlich klar macht: Diese Handlung ist gut, jene Handlung ist schlecht.

Das Problem ist nur: Platons Kompass scheint defekt zu sein. Unsere Gesellschaft ist in der Abtreibungsfrage nämlich gehörig vom Kurs abgekommen. Unsere westliche Welt scheint an kollektiver moralischer Orientierungslosigkeit zu leiden. Und keiner merkt es…

Augustinus´ ernüchternder Reality Check
Es war Augustinus, der rund 7 Jahrhunderte nach Platon eine weitaus realistischere These zum inneren Zustand des Menschen formulierte. Er sprach vom „homo incurvatus in se ipsum“ (,vom „in sich selbst verkrümmten Menschen“).

Statt einem weiten, unverstellten Blick auf das Gute und Richtige, besitzt der Mensch eine ganz andere Blickrichtung: Nur auf sich selbst gerichtet. Egozentriert. Nicht frei, sondern verdreht.

Martin Luther schrieb diesbezüglich:

„Unsere Natur ist […] so tief auf sich selbst hin verkrümmt, […] [dass sie] das auch nicht einmal merkt, dass sie gottwidrig, verkrümmt und verkehrt alles […] nur um ihrer selbst willen sucht.“

Unsere Gesellschaft ist in ihrer kollektiven geistlichen und moralischen Orientierungslosigkeit so verdreht, dass sie das Selbstbestimmungsrecht einer werdenden Mutter höher einstuft, als die Menschenwürde und das Recht auf Leben eines ungeborenen Kindes.

Where do we go from here?
Das klingt ernüchternd, scheint aber die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der systematischen Tötung ungeborenen Lebens recht schlüssig zu erklären.

Statt sich selbstkritisch, differenziert und barmherzig (!) mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass in Deutschland jährlich über 100.000 Kinder abgetrieben werden (das sind 274 Kinder, bzw. 10 Schulklassen pro Tag!), versuchen Abtreibungsbefürworter in den sozialen Netzwerken Abtreibungsgegner mundtot zu machen, indem sie entrüstet fragen, ob man einer Frau wirklich zumuten wolle, ein wahrscheinlich behindertes Kind zur Welt zu bringen.

In einer Welt, in der es – auch 70 Jahre nach dem NS-Regime – wieder Common Sense zu sein scheint, dass behinderte Kinder weniger lebenswert und für Eltern eine unzumutbare Belastung darstellen, kann man schnell resignieren.

Sechs Impulse zum Weiterdenken
Wie soll man in einer so verdrehten gesellschaftlichen Situation die Hoffnung nicht verlieren? Wie kann man sich in dieser Kultur sinnvoll für das Recht ungeborenen Lebens einsetzen? Vielleicht helfen dir die folgenden sechs Impulse, eigene Antworten auf diese Fragen zu finden…

1. Gib nicht auf!
Was diese Welt braucht, ist Licht, denn sie befindet sich in vielen Bereichen in äußerster Finsternis. Was diese Welt braucht, ist Salz, denn die in sich verdrehte Haltung der Menschen führt zu ungenießbarem, gleichgeschaltetem, unmoralischem Einheitsbrei.

2. Bete und hoffe!
Der Zustand, den Augustinus mit dem Begriff homo incurvatus beschreibt, ist geistliche Verlorenheit. Rationale Argumente und eine gute Rhetorik führen selten zur Buße. Wir können die Gesellschaft nicht aus eigener Kraft verändern.
Aber seit 2000 Jahren Kirchengeschichte ist klar: Der Heilige Geist kann das! Lasst uns deshalb mehr für dieses Land, für die ungeborenen Kinder, für die schwangeren Frauen und auch für die Abtreibungsbefürworter beten, in der Hoffnung auf Gottes übernatürliches Eingreifen.

3. Richte nicht!
Wenn es tatsächlich stimmt, dass der „homo incurvatus in se ipsum“ nicht in der Lage ist, sich selbst zu befreien, dann bedeutet das auch, dass er starke Schwierigkeiten hat, seine persönliche Schuld zu erkennen. Verurteile die Menschen nicht dafür, dass sie blind sind.

4. Kommuniziere barmherzig!
Statt blinde Menschen mit erhobenem Zeigefinger zu verurteilen, sollten wir besser die Hand ausstrecken, um ihnen bei der Neuorientierung behilflich zu sein. Als Christen wollen wir Menschen gewinnen, nicht Diskussionen. Gerechter Zorn kann schnell in arrogante Polemik umschlagen; Frustration in Zynismus und Besserwisserei. Diskussionen können leicht auf eine rein theoretische Sachebene abrutschen. Schnell kann es dann passieren, dass wir keinen ganzheitlichen Blick mehr auf das Thema haben.
Schuld hin oder her: Jeder Fall hat seine eigene komplexe Geschichte mit noch komplexeren Menschen. Auch, wenn wir dem Lebensrecht des Kindes höheren Stellenwert einräumen, als dem Selbstbestimmungsrecht der Frau, dürfen wir nicht den Fehler machen, die Krisensituationen der betroffenen Frauen auszublenden.

5. Verkündige das Evangelium!
Bei aller nötigen Empathie ist es am Ende wichtig, dass wir Botschafter der Wahrheit sind. Der Wahrheit, dass Gott der gute Schöpfer aller Dinge (auch des ungeborenen Lebens) ist. Dass unsere Blindheit uns wegführt von Gott. Dass er deshalb einen Plan geschmiedet hat, durch Jesus unsere Augen zu öffnen. Dass ein glückliches und erfülltes Leben nur im Frieden mit diesem Gott möglich ist

6. Sei dankbar!
Wenn ich darüber nachdenke, wie blind ich selbst einmal war, kann ich nicht anders, als „Danke!“ zu sagen. Paulus schreibt in Kol 1,21f: „Das gilt auch für euch. Einst standet ihr Gott fremd und feindlich gegenüber und habt das durch eure bösen Taten gezeigt. Aber weil Christus in seinem menschlichen Leib den Tod auf sich nahm, hat Gott jetzt mit euch Frieden gemacht. Als sein heiliges Volk steht ihr jetzt rein und fehlerlos vor ihm da.“

Ich bin davon überzeugt: Wenn wir uns an die obenstehenden sechs Impulse halten, werden wir einen bleibenden „Salz-und-Licht-Fußabdruck“ in unserem Umfeld hinterlassen. Denn unverzagte, betende, nicht richtende, barmherzige, mutige und dankbare Christen erleben unsere Freunde leider viel zu selten.

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4 Kommentare zu „Die Abtreibungspraxis in Deutschland: Sechs Impulse zum Weiterdenken

  1. Wow, vielen Dank. Ein echt ausbalancierter Beitrag zu dieser Debatte, der klare Stellung bezieht, Leben spricht und ein Blick für die Umstände zeigt.

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    1. Liebe Helga, vielen Dank für dein Feedback. Ich habe diesen Text kurz vor dem Bekanntwerden der bestürzenden Entwickungen in New York vor einigen Wochen geschrieben. Sonst wäre ich auf diese eingegangen…

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